styles: grau / farbig / herbst


Kettenhemden

Wichtige Voranmerkung: Diese Seite befindet sich noch im Aufbau, da ich sie begleitend zum Bau meines neuen Kettenhemdes schreibe, sie kann also nur so weit sein, wie auch das Hemd an sich.
Zuerst stellt sich die Frage, wieso man überhaupt ein Kettenhemd selber bauen sollte. Diese Frage lässt sich wie ich finde allerdings leicht beantworten, da es zwei eklatante Gründe hierfür gibt:
1. Es ist bedeutend billiger. Je nach qualität und Größe der Ringe, sowie die Körpergröße des Kettenhemdes (ist ja wichtig ob der träger 2 Meter oder nur nen Meter Fünfzig groß ist) und der Frage ob es Ärmel oder sonstige Verlängerungen hat, kann der Preis eines selbstgebauten Kettenhemdes zwischen 50€ wie bei meinem ersten, allerdings nicht rostfreiem, und 200€ liegen, was allerdings noch immer deutlich unter den Preisen von gekauften Kettenhemden liegt, welche zwischen 200€ (totaler Schrott in der Verarbeitung und nicht rostfrei) und weit über 1000€ liegen können. Berechnet man natürlich die Arbeitszeit, die zum Knüpfen benötigt wird ein, so lohnt sich diese Milchmädchen-Rechnung natürlich nicht. Doch wer etwas Freizeit hat oder wie ich gerne Abends beim Film gucken zum entspannen etwas Knüpft, kann hiermit viel Geld sparen das er nicht umbedingt hat.
Der 2. Grund, und der ist wie ich finde viel wichtiger, ist die Tatsache, das ein selbstgebautes Kettenhemd ein Unikat ist und eine Maßanfertigung. Weiter unten stelle ich meine bisher gebauten Kettenhemden vor, hier kann man leicht sehen, das man Muster und Formen in Kettenhemden knüpfen kann, sowie mit verschiedenen Farben hantieren. Außerdem ist ein solches Kettenhemd eine auf sich selbst zugeschnittene Maßanfertigung und trägt sich wie ich finde deutlich besser als ein gekauftes.

Grundstoff für ein jedes Kettenhemd liefern natürlich Kettenringe aus Stahl. In Filmen oder zu Dekozwecken werden schonmal auch Plasik- oder Woll-Ringe genutzt, aber dass das nicht Sinn und Zweck der Übung ist, dürfte wohl klar sein. Das erste Hemd habe ich aus Kohlenstoffstahl gefertigt, leichter zu verarbeiten, dafür nicht rostfrei. Besser ist da der härtere Federstahl und noch besser der rostfreie Niro Federstahl. Problem ist leider, das es scheinbar keine brünierten und rostfreien Federstahl Ringe gibt, somit lässt sich ein farbiges Kettenhemd nur rost-träge herstellen.

Am billigsten kommt man an den begehrten Rohstoff dran, wenn man die Ringe selber herstellt. Habe ich noch nicht ausprobiert, daher gibt es hier keine gute Beschreibung, aber prinzipiell muss man nur einen Draht aus entsprechendem Stahl mit einer Bohrmaschine auf einen Eisenstab aufwickeln und dann mit einer Zange oder einer Säge der Länge nach die Spirale durchtrennen. Genau so werden sie nämlich auch geliefert wenn man sie kauft, wie man auf dem ersten Bild ja auch unschwer erkennen kann, gibt es somit leider keine geschlossenen Ringe und keine offenen, man muss somit also streng genommen als "Vorarbeit" 50% der zu verbauenden Ringe ersteinmal schließen.

Verarbeitet werden die ganzen Ringe dann mit zwei Zangen, muss keine Spezielle sein, sollte allerdings gut in der Hand liegen, da man doch sonst schnell Krämpfe in der Hand oder eine Sehnenscheidenentzündung bekommt. Mit diesen kann man die Ringe recht gut durch Verdrillen öffnen und wieder schließen, eine Übung die Anfangs doch etwas beschwerlich ist, da der Kraftaufwand mitunter doch unterschätzt wird, doch mit der Zeit gewöhnt man sich dran und es wird Handwerkliche Routine.

Der Grundstock eines jeden Kettenhemdes ist immer ein einzelner Ring in den 4 andere Ringe gesteckt werden. Jedenfalls wenn man sich für das klassische Muster 4 in 1 entscheidet. Es gibt alternativ, diese werde ich allerdings nicht weiter ausführen, noch im europäischen Raum das Muster 6 in 1, bei dem wie der Name schon sagt in einem zentralen Ring 6 weitere gesteckt werden, wodurch eine Wabenform entsteht. Auch genutzt, allerdings weit seltener sind die Muster 8 in 1 bzw. 8 in 2, beide unterscheiden sich nur darin, das es beim ersten einen zentralen, und beim zweiten eben zwei zentrale Ringe gibt, ansonsten ist es ein erweitertes Muster 4 in 1, da einfach jeder Ring doppelt genommen wird. Hierdurch wird das Hemd deutlich stabiler und dicker, allerdings natürlich auch doppelt so schwer. Da eine größer Menge Ringe natürlich auch teurer wird und im Mittelalter Stahl an sich sehr teuer und aufwendig in der Herstellung war, wird das Muster 8 in 2 auch "Königsmuster" genannt.

Dreht man den zentralen Ring zusammen, so bekommt man ein erstes erkennbares Muster, das nun eigentlich nur rekursiv ebenso erweitert werden muss.
In der untersten Reihe wird hierfür immer ein weiterer zentraler Ring mit zwei weiteren geschlossenen Ringen an je zwei schon eingebundene Ringe geknüpft.

Erweitert man es nun auch in die Tiefe geht es bedeutend langsamer weiter, da man nun nur noch in jeweils drei vorhandene Ringe je einen weiteren zentralen Ring mit einem geschlossenen einarbeitet. Auch wenn es nur ein psychologischer Vorteil ist, da es einfach überschaubarer ist, so bevorzuge ich es, immer Zweier-Reihen zu bauen, die ich anschließend mit einem weiteren Ring verbinde.

Ein weiterer Tip: Irgendwann wird ein solches Kettenhemd logischerweise sehr groß und unhandlich, vor allem weil man ja immerzu das große Gesammtgeflecht auf dem Schoß oder auf dem Tisch vor sich liegen hat. Daher empfehle ich immer Lappen von einer gewissen konstanten Größe zu weben und erst später diese zu einem ganzen Kettenhemd zusammen zu setzen.
Das Schnittmuster gleicht dem zweier T-Shirts die am Kopfende aneinander gelegt sind und auch so sollte man knüpfen. Vorsicht allerdings bei der Abschätzung der Breite, denn durch das starke Eigengewicht des Hemdes, zieht es sich sehr stark nach unten hin zusammen und wird somit schmaler, man muss daher ein solches Hemd breiter knüpfen als man ein T-Shirt tragen würde. Hierbei empfiehlt sich schlichtweg immer wieder mal anprobieren. Wenn man Vorder- und Rückseite am Kopfende zusammengeknüpft hat, kann man das Kettenhemd sehr gut wie einen Poncho überwerfen und so überprüfen ob die Größe genehm ist.

Am Kopfende sollte natürlich ein kleines Loch im Gewebe sein durch das man den Kopf kriegen kann, hierbei ist es recht angenehm wenn es etwas eliptisch ist.

Die Enden des Hemdes lassen sich entweder gerade Abschließen, oder wie hier dargestellt Gizeh-Ecken einarbeiten. Hierbei sollte es möglichst natürlich eine Anzahl von Ringen in der Breite sein, die sich gleichmäßig Teilen lässt, um so auch gleich große Ecken einweben zu können. Hierbei wird einfach in jeder Reihe ein Ring weniger eingearbeitet pro Ecke, wodurch es sofort zu einer Verjüngung kommt und die klassischen Dreiecke entstehen.

Ich knüpfe immer gerne den Torso ersteinmal als Weste, also ohne Arme und arbeite diese dann als zwei Schläuche von entsprechender Länge und Durchmesser heraus. Um bei langen Ärmeln zu verhindern das sie entweder am Handgelenk zu weit oder am Oberarm zu eng sind, empfiehlt es sich hin und wieder wenige Trötringe einzuweben. Hierzu mehr bei der Erläuterung der Kettenhaube. Lediglich zu erwähnen ist noch, das sie gleichmäßig gesetzt werden sollten, um ein unregelmäßiges Erscheinungsbild zu verhindern und eine saubere Trötnaht zu erlangen.

Ist das Hemd an allen Seiten geschlossen, sollte es hoffentlich in der Breite passen, die länge lässt sich relativ einfach wieder variieren, doch ist die breite eine heiden arbeit. Die beiden Bilder hier zeigen zwei verschiedene Kettenhemden von mir. Das Obere besteht aus 10mm Niro-Federstahl-Ringen, lange Ärmel und Verziehrungen durch Gizeh-Ecken. Das Untere besteht aus brünierten Kohlenstahl-Ringen, 12mm Außendurchmesser, die ärmel sind nur angedeutet, dafür ist die Länge des Hemdes um ein gutes Stück länger und bedeckt noch etwa zu einem viertel die Beine. Das hier zu sehende Muster ist eine Spielerei die allerings nicht ganz einfach zu machen war, da man sich zum einen immer wieder sehr konzentrieren musste, um in jeder Reihe ähnlich wie beim Stoffweben die richtigen Ringe an die richtige Stelle zu bringen. Des weiteren muss man wieder bedenken, das sich das Kettenhemd beim tragen in die Länge zieht, wodurch ein solches Muster das eine Form darstellen soll, in die Breite verzerrt geknüpft werden muss um beim tragen richtig zu wirken.

Eine Kettenhaube ist im Prinzip nicht schwierig, wenn man das Prinzip der Trötringe verstanden hat. Hierbei beginnt man im innern, mit einem Ring, in dem Man 6 Ringe zugleich steckt und diese zu einem Kreis der den inneren Ring umgibt auffächert. Die nächste reihe verbindet nun stehts zwei der äußeren Ringe miteinander. Schnell da diese Ringe natürlich bei gleichbleibender Menge sternförmig nach außen wandern, würden sich Lücken im Muster auftun. Diese verhindert man, indem man in gleichmäßigen Abständen, stehts zwischen zwei Ringe die einen Ring mit seinen beiden Nachbarn in der Reihe verbindet, noch einen dritten einwebt, der ersteinmal mit keinem weiteren Ring verbunden ist. Hierdurch erhält die Reihe eine größere Anzahl von Ringen und wird Breiter. Führt man dies oft genug und Gleichmäßig aus, so erhält man eine gewebte Scheibe, welche wenn man sie auf den Kopf setzt zu einer Haube zerfällt. Die Seitenteile am Kopf sind wiederrum gleichen Durchmessers und Schlauchähnlich, als Abschluss am Hals ist eine weitere Scheibe als überlappender schutz des Halses.

Ebenso lässt sich mit Kettenringen auch allerhand anderer Unfug treiben. Etwa eine Krawatte weben, im prinzip nichts anderes als ein Kettenhemd, nur halt dünner. Den Krawattenknoten gestaltet man wieder durch zwei Gizehecken, die allerdings beide gegeneinander laufen und bei einer Breite von 3 Ringen enden, und dann die 6 Ringe der Stirnflächen durch einen weiteren Ring verbunden werden, wodurch sich dieser bereich zusammendrückt und wie ein Knoten erscheint. Damit man die Krawatte auch über den Kopf kriegt, lässt sich im Baumarkt eine Schraube besorgen wie hier zum verschließen, oder auch ein Klettverschluss oder ein Lederband, das man an den "Krawattenknoten" näht.

Auch lassen sich gänzlich andere Sachen aus Kettenringen machen, etwa jeweils 4 so verkanten, das sie beinahe einen Quader bilden, wie hier abgebildet. Mit solchen Formen lassen sich etwa stabile Ketten, verziehrungen für das Kettengeflecht oder wie auch schonmal auf einer Seite gesehen, sogar Gartenmöbel herstellen.